Ursprung des japanischen Hundes

  

Es gilt, die drei echten und ursprünglichen Arten, nicht mit den Nachahmungen zu verwechseln, welche gezüchtet werden, um die allgemeine Nachfrage zu befriedigen.

 

Die wahre Geschichte, wie sie von Dr. H. Saito, Gründer der Gesellschaft zur Bewahrung des japanischen Hundes, an Fr. Christina A. Veldhuis, Arnhem, Holland, weitergegeben wurde.

 

(Die englische Fassung erschien in Dog World, Dezember 1950. Deutsche Übersetzung Helly Vogt, Zuchtwart SKNH).

 

 

 Hunde wurden von den Japanern schon seit 5000 v. Chr. gehalten, als die ersten Einwanderer auf diese Insel kamen. Wenn wir die Überreste dieser Menschen ausgraben, welche in einer prähistorischen Ära lebten, so werden unter den von diesen primitiven Völkern gebrauchten Töpferwaren und Werkzeugen aus Stein Hundegebeine gefunden. Jene Menschen gehörten dem Neusteinzeitalter an, wurden als die Jomon-Rasse bezeichnet und lebten im Raume zwischen Hokkaido und der Insel Okinawa. Sie hielten sich Hunde, derer Hilfe sie sich bei ihren Jagdausflügen bedienten.

 

Eine sorgfältig ausgeführte Studie an 300 Hundekörpern, welche aus Muschelgrabhügeln - Überreste, die in ganz Japan aus dieser Ära zu finden sind - zeigt, dass die Schulterhöhe dieser Hunde zwischen 14,5 und 19,5 inches (=36,83 cm und 49,53 cm) lag. Kürzlich wurden zwei sogar noch größere Hunde bei Tohoku in Honshu gefunden, welche 22,5 inches (57,15 cm) Schulterhöhe maßen.

 

Während die Hunde von durchschnittlicher Größe zusammen mit den primitiven Völkern vom Festland China her auf diese Insel kamen, wird angenommen, dass die beiden größeren Exemplare von anderen nördlicheren Volksstämmen importiert wurden.

 

Der aus diesem Zeitalter stammende Hundetypus unterscheidet sich nicht nur vom japanischen Wolf, sondern auch vom Canis familiaris Palustris, dem weit verbreitesten Hund des Neusteinzeitalters. Töpferwaren, welche in Muschelgrabhügeln gefunden wurden, zeigen die äußere Erscheinung des Spitz-Typus mit zugespitzten Stehohren, geringelter Rute und von mittlerer Größe.

 

Während der Regierungszeit des Herrschers Nintoku, also vor ca. 1600 Jahren, wurde die Jagd mit abgerichteten Falken, wie sie in China bekannt war, eingeführt. Die Falken-Station wurde am königlichen Hofe errichtet, doch wurde dann unabhängig davon unter dem Herrscher Senka vor ca. 1400 Jahren eine Station geschaffen, wo Hunde gehalten und zur Mithilfe bei der Falkenjagd abgerichtet wurden. Von diesem Zeitpunkt an, wurden genaue Aufzeichnungen über Fütterung, Zucht und Abrichtung dieser Hunde geführt. Alle Einzelheiten über die Zucht wurden in Büchern niedergeschrieben und stellen für uns heute eine interessante Informationsquelle dar.

 

Die so genannten japanischen Rassen sind in drei Gruppen eingeteilt, nämlich

 

große Hunde (Akita Inu)

mittlere Hunde (Nippon Inu)

kleine Hunde (Shiba Inu)

Der Akita Inu wurde in der Umgebung der Stadt Odate im Akita-Distrikt im Nord-Ost-Japan entwickelt. Seine Geschichte ist kurz, nämlich nur ca. 100 Jahre alt; die ursprünglichen Exemplare entstanden durch Kreuzung zwischen dem mittelgroßen Inu (“bear”) des Distriktes mit dem Tosa Kampfhund (japanischem Mastiff). Der Typus ist jetzt gut fixiert und der populärste der drei Varianten. Gute Exemplare werden jetzt in Akita, Tokyo und Nagano gezüchtet.

 

Der Akita Inu hat ein würdiges Aussehen, aber er ist sehr gutmütig und treueherzig. Er ist ein Kinderfreund und außerdem ein guter Wächter. Er ist seinem Meister und dessen Familie treu ergeben, aber wenn nötig, kann er Fremden gegenüber recht aggressiv sein. Trotz seines massiven Körperbaus ist er sehr beweglich, ohne jedoch die für die Jagd notwendige Ausdauer zu besitzen, welche man bei dem kleineren Schlag findet.

 

Der Nippon Inu ist derjenige japanische Jagdhund, der für die Jagd auf das Wild in den hügeligen Regionen verwendet wird. Er und der Shiba Inu besitzen die älteste Geschichte der japanischen Hunde. Ihr Ursprung soll 3000 Jahre zurückliegen. Der Nippon Inu hat vielleicht ein nicht sehr gewinnendes Aussehen, aber seine Sinne sind hoch entwickelt und er ist äußerst beweglich und geschmeidig. Dieser Typus ist sehr intelligent und anhänglich, aber scheu gegenüber Fremden. Diese Hunde werden hauptsächlich für die Jagd auf Bären, Wildschweine und Rehe gebraucht, obwohl viele nur als Familienhunde gehalten werden und als solche sehr beliebt sind.

 

Der Shiba Inu ist in seiner äußeren Erscheinung dem mittelgroßen japanischen Jagdhund sehr ähnlich. Er wird für die Jagd auf kleinere Tiere wie Waschbär, Füchse und Copper-Pheassants (Kupferfasanen?) gebraucht. Obwohl von relativ leichter Statur ist der Shiba Inu muskulös und sehr stark. Er sieht aus, als könnte er ohne Anlauf gut springen. Der Shiba Inu ist seinem Herrn und dessen Familie sehr ergeben, hat einen liebenswürdigen Charakter, ist aber andererseits von großer Tapferkeit.

 

Es muss hier erwähnt werden, dass zu dem Zeitpunkt, als Zucht von “Nationaltieren” nicht nur in Japan, sondern auch im Ausland immer populärer wurde, von gewissen Züchtern eine neue Kreuzung “erfunden” wurde, um die Nachfrage nach echten japanischen Hunden (welche das Angebot überstieg) zu befriedigen.

 

Der chinesische Chow-Chow wurde mit japanischen Hunden gekreuzt. Obwohl der aus dieser Kreuzung hervorgehende Typus jetzt fixiert ist, stellt er nur eine minderwertige Nachahmung der echten Rasse dar. Der “falsche” Typus hat einen ziemlich groben Kopf, aber was schlimmer ist, sein Wesen weicht komplett von demjenigen unseres Nationalhundes ab: Er ist unruhig und bellt bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit. Es ist erwiesen, dass viele Ausländer ihn in dem Glauben erwerben, einen echten japanischen Hund gekauft zu haben. Wenn aber Ausländer den Wunsch hegen sollten, in den Besitz eines Exemplars der dreien japanischen Hunde zu gelangen, möchten wir, dass sie einen echten Hund kaufen und es würde uns freuen, ihnen gute Kennels anzugeben, welche echte Akita Inus, Nippon Inus oder Shiba Inus züchten.

 

Text: Verfasser © Helly Vogt

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Layout: ©  Jutta Horn